APK: Die Aktion Psychisch Kranke

 
APK: Die Aktion Psychisch Kranke
 

Die Aktion Psychisch Kranke (APK)

Als Nahtstelle zwischen Bundesparlament und Bundesministerien und psychiatrischer Fachwelt ergibt sich der Handlungsspielraum der Aktion Psychisch Kranke aus den gemeinsamen Vorstellungen der im Bundestag vertretenen Parteien und der psychiatrischen Fachwelt bezüglich der Erreichung gemeindepsychiatrischer Reformziele.



PSYCHISCH KRANKE MENSCHEN IN DEUTSCHLAND

Die Wahrscheinlichkeit, an seelischen Störungen zu erkranken, ist größer, als allgemein angenommen wird. Etwa jede dritte Bürgerin bzw. jeder dritte Bürger hat bereits einmal in ihrem bzw. seinem Leben irgendeine behandlungsbedürftige psychische Störung oder Krankheit durchlebt oder leidet noch an ihr:

Etwa zehn Prozent der Bevölkerung begeben sich jährlich wegen einer psychischen Störung in ambulante ärztliche Behandlung. Davon wird der überwiegende Teil von Hausärzten behandelt.
Etwa fünf Prozent der 16 - 64-jährigen Bevölkerung kommt jährlich wegen psychischer Krankheiten zum Nervenarzt oder zur Psychotherapeutin.
Etwa ein Prozent der Versicherten der gesetzlichen Krankenversicherung (ohne Rentner) wird jährlich wegen einer psychischen Erkrankung durchschnittlich 36 Tage arbeitsunfähig.
Mehr als ein halbes Prozent der Bevölkerung wird jährlich wegen psychischer Krankheiten in psychiatrischen Krankenhäusern und Abteilungen aufgenommen.
Etwa 0,5 Prozent der Bevölkerung braucht eine längerfristige Behandlung, Rehabilitation, Begleitung und Unterstützung aufgrund einer schweren, chronisch verlaufenden psychischen Erkrankung oder Behinderung.
Drei Prozent der 18 - 59-Jährigen sind alkoholabhängig, darüber hinaus betreiben weitere fünf Prozent einen missbräuchlichen Alkoholkonsum. Drei Prozent der Bevölkerung sind medikamentabhängig und fast 0,6 Prozent sind abhängig von illegalen Drogen.
Mit der Zunahme des Anteils älterer Menschen in der Bevölkerung steigt überproportional die Zahl der von psychischen Krankheiten Betroffenen, z. B. leiden 30 - 40 Prozent der 90-jährigen an Demenzsyndromen.
Psychische Krankheiten haben Einfluss auf das Erleben, Befinden und Verhalten und können die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen erheblich beeinträchtigen, zumal die Betroffenen noch immer gesellschaftlich diskriminiert werden.

Für die meisten psychisch oder suchtkranken Personen gibt es inzwischen gute Behandlung und Hilfen. Das Ziel von Gemeindepsychiatrie ist es, dass auch die schwer und chronisch psychisch kranken Menschen in ihrer Stadt/in ihrem Kreis auf Dauer leben können. Denn niemand ist so krank, so behindert, so beeinträchtigt, dass sie/er vom Leben in der Gemeinde ausgeschlossen werden müsste, wenn die notwendigen - psychiatrischen und nicht psychiatrischen - Hilfen vorhanden sind.


Die AKTION PSYCHISCH KRANKE

Die AKTION PSYCHISCH KRANKE (APK) wurde am 18.01.1971 von Abgeordneten aller Fraktionen des Deutschen Bundestages und engagierten Fachleuten aus dem Bereich Psychiatrie gegründet, um „mit politischen Mitteln auf eine grundlegende Reform der Versorgung psychisch Kranker in der Bundesrepublik Deutschland hinzuwirken“.


Menschen mit psychischen Erkrankungen können umso weniger ihre Anliegen selber vertreten, je schwerer krank sie sind. Die APK versteht sich als Lobby für diese benachteiligte Zielgruppe. Der Verein ist überparteilich zusammengesetzt und arbeitet wie ein Scharnier zwischen Bundesparla-ment/Bundesministerien und psychiatrischer Fachwelt.

Als ein von Partikularinteressen unabhängiger Verein führt die APK unterschiedliche Organisationen und Interessenvertretungen (Verbände der Psychiatrieerfahrenen und Angehörigen, Leistungsträger, Einrichtungsträgerverbände, berufsgruppenbezogene Fachverbände usw.) zu konkreten psychiatriepolitischen Fragestellungen zusammen.


Schwerpunkte des langjährigen Engagements zur Umsetzung dieser Zielsetzung bestanden insbesondere in der Arbeit in von der APK initiierten und von der Bundesregierung geförderten Experten-Kommissionen sowie in der Erstellung bzw. Durchführung folgender Berichte und Projekte:

„Sachverständigen-Kommission zur Erarbeitung eines Berichtes über die Lage der Psychiatrie in der Bundesrepublik Deutschland“: Zwischenbericht (1973), Abschlussbericht „Psychiatrie-Enquete“ (1975);
Beraterkommission zur Begleitung des Modellprogramms Psychiatrie (1980-1986) und „Expertenkommission der Bundesregierung zur Reform der Versorgung im psychiatrischen und psychotherapeutisch/psycho-somatischen Bereich“: Bericht „Empfehlungen der Expertenkommission“ (1988);
„Bericht zur Lage der Psychiatrie in der ehemaligen DDR – Bestandsaufnahme und Empfehlungen“ (1991);
Projektgruppe „Qualitätssicherung in der stationären Psychiatrie“: Bericht „Leitfaden zur Qualitätsbeurteilung in Psychiatrischen Kliniken“ (1996);
Kommission „Personalbemessung im komplementären Bereich“: Berichte „Personenzentrierte Hilfen in der psychiatrischen Versorgung“ (1997).


Die Aktion Psychisch Kranke als Projektträgerin

Bundesweite Erhebung zur Evaluation der Psychiatrie-Personalverordnung“ (1998) Zusammenarbeit der APK, Deutsche Krankenhausgesellschaft, Spitzenverbände der Krankenkassen;
Projekt „Außerstationäre psychiatrische Pflege“: Berichte „Außerstationäre psychiatrische Pflege“. Teil 1 „Ambulante psychiatrische Behandlungspflege“ (1999); Teil 2 „Psychiatrische Behandlungspflege in vollstationären Pflegeeinrichtungen“ (2000);
Projekte zur „Implementation des personenzentrierten Ansatzes“ (2000-2005);
Projekt „Bestandsaufnahme zur Rehabilitation psychisch Kranker“ (2000-2003);
Projekt " Konzeption, Entwicklung und Erprobung eines integrierten und kompatiblen patientenorientierten Dokumentationssystems für die verschiedenen Bereiche des psychiatrischen Hilfesystems einer Modellregion" (2000-2003);
Projekt "Teilhabe an Arbeit und Beschäftigung für psychisch Kranke" (2004-2005);
Projekt "Evaluation der Psychiatrie-Personalverordnung" (2004-2005);
Expertenkommission "Entwicklung von Handlungsempfehlungen zur Situation alter Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen" (2004-2006);
Projekt "Entwicklung eines Konzeptes quartiersorientierter integrierter Versorgung für pflegebedürftige Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen, insbesondere Demenz" (2007-2009).

Somit hat die APK erheblichen Anteil an der Initiierung und Durchführung aller großen Untersuchungen, die seit Anfang der 70er Jahre von der Bundesregierung mit dem Ziel in Auftrag gegeben wurden, gemeindepsychiatrische Versorgungsstrukturen unter folgenden Prämissen weiterzuentwickeln:

die bedarfsgerechte (statt angebotsorientierte) Versorgung insbesondere für chronisch psychisch und mehrfach erkrankte Menschen sicherzustellen,
hierzu den Ausbau wohnortnaher Hilfen, vorrangig ambulanter Hilfen voranzubringen,
auf die für das Funktionieren einer solchen gemeindepsychiatrischen Versorgungsstruktur unabdingbare Koordination und Kooperation aller beteiligten Dienste und Einrichtungen hinzuwirken,
sozialrechtliche Hindernisse, die einem aufeinander abgestimmten Zusammenwirken unterschiedlicher Leistungsträger und einer Gleichstellung psychisch Kranker mit somatisch kranken Menschen entgegenstehen, auf parlamentarischem Wege zu beseitigen.
Diese Projekte sind in der Mehrheit vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert worden. Weitere Auftraggeber für Projekte waren das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und verschiedene Landesministerien für Gesundheit und/oder Soziales.


Fortschritte in der weiteren Psychiatriereform sollen auch durch Kooperationen mit anderen Projektnehmern und durch eigene Projekte, deren Förderung auch durch gemeinnützigen oder öffentlich-rechtlichen Auftraggebern getragen wird, erzielt werden.




Informationsarbeit zur Weiterentwicklung der Psychiatriereform

Die APK hat in über 40 Tagungen, 5 Regionalkonferenzen sowie zahlreichen Workshops wesentliche Problembereiche und Reformempfehlungen thematisiert. Dabei wurden oft ausländische Erfahrungen einbezogen.


Charakteristisch für die Tagungen der APK ist das Konzept, verschiedene Berufsgruppen, Institutionen der psychiatrischen Versorgung, konkurrierende Kostenträger, politische und administrative Ebenen miteinander in einen fachlichen Diskurs einzubinden. Entsprechend erfahren die Tagungsbände in der psychiatrischen ebenso wie in der politischen und administrativen Öffentlichkeit eine vieltausendfache Nachfrage und leisten so einen wesentlichen Beitrag zur Verbreitung von Reformvorschlägen in Teilbereichen der Psychiatrie oder zur Verbesserung der Kooperation mit den übrigen Bestandteilen des Gesundheitswesens und des psychosozialen Hilfesystems.


Ferner wird das Internet zur Präsentation von Informationen und Materialien aus der Arbeit der APK genutzt. Im Psychiatrie-Netz (www.psychiatrie.de /apk) und auf der Homepage (www.apk-ev.de) sind Informationen über Aufgaben und Ziele der APK, zu laufenden und abgeschlossenen Projekten, Stellungnahmen der APK zu aktuellen sozialpolitischen Themen und Gesetz-gebungsvorhaben sowie ein Downloadarchiv zu den Tagungsbänden verfügbar.



Zukünftige Aufgaben der Psychiatriereform

In den „Empfehlungen der Expertenkommission der Bundesregierung zur Reform der Versorgung im psychiatrischen und psychotherapeutisch/psycho-somatischen Bereich“ wurde ein Paradigmen-Wechsel allgemein formuliert (Kapitel C.3 „Die Gemeindepsychiatrie in funktionaler Betrachtungsweise“), der inzwischen zunehmend konkretisiert wird. Davon geprägt sind die Psy-chiatrie-Personalverordnung und insbesondere die Vorschläge der Kommission Personalbemessung. Dies bedeutet eine Umorientierung:

von der Institutionszentrierung zur Personenzentrierung
von der Angebots- zur Bedarfsorientierung
von einer auf Berufsgruppeninteressen bezogenen Sichtweise hin zum mehrdimensionalen Krankheitskonzept und multiprofessioneller Behandlung.
Mit der Festschreibung und Konkretisierung dieser Postulate in ihren Empfehlungen für den stationären ebenso wie für den ambulanten und komplementären Bereich der psychiatrischen Versorgung sowie der Begleitung der Umsetzung hat die APK wesentlich dazu beigetragen, dass die Reformkonzepte „beim Menschen angekommen sind“. Dieser Paradigmenwechsel – 'im Mittelpunkt muss der Einzelne psychisch kranke Mensch stehen' – auf der Ebene der fachlichen Konzepte erfordert notwendig einen Paradigmenwechsel auch auf der Seite der Finanzierung der Hilfen für psychisch kranke und behinderte Menschen.

Die Realisierung dieser grundsätzlichen fachlichen Hinwendung zu personenorientierten Hilfen erfordert die Umorientierung von der institutionszentrierten zur personen- und leistungsbezogenen Finanzierung in den Bereichen Behandlung, Rehabilitation und Teilhabe sowie Pflege.

Die APK sieht sich auch weiterhin in ihrer Verantwortung dafür, als überparteilich wirksame Vereinigung ihren (sozial- und gesundheits-) politischen wie fachlichen Sachverstand im Interesse psychisch kranker Menschen zur Verfügung zu stellen, um bundespolitische wie gesamtgesell-schaftliche Entwicklungen sorgfältig zu beobachten und sich engagiert und parteilich für chronisch psychisch kranke Menschen zu Wort zu melden, wo immer dies erforderlich und sinnvoll ist. Die APK versteht es als ihre vorrangige Aufgabe,

darauf hinzuwirken, dass die Umsetzung der mit ihrem fachlichen Sachverstand entwickelten Reformkonzepte zur Versorgung psychisch kranker Menschen durch Schaffung der hierfür erforderlichen gesetzlichen Grundlagen ermöglicht wird;
die Weiterentwicklung und Qualitätssteigerung von Versorgungsstrukturen für psychisch kranke Menschen mittels fachlicher Vorschläge zu befördern.


Die aktuellen Arbeitsschwerpunkte der AKTION

Neben der aktiven Begleitung der aktuellen sozialpolitischen und sozialrechtlichen Entwicklung gehören zu den derzeitigen Projekt- und Themenschwerpunkten:

Projekt "Steuerung regionaler psychiatrischer Hilfen";
Förderung des Aufbaus Gemeindepsychiatrischer Verbünde (GPV) und einer Bundesarbeitsgemeinschaft GPV;
Projekt "Entwicklung eines Konzeptes quartiersorientierter integrierter Versorgung für pflegebedürftige Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen, insbesondere Demenz";
Prävention bei psychischen Erkrankungen;
Versorgungssituation im Maßregelvollzug;
Psychiatrische Versorgung von Migrantinnen und Migranten;
Psychiatrische Versorgung von Kindern und Jugendlichen;
Umsetzung des Krankenhausreformgesetzes/Qualität und Finanzierung psychiatrischer Krankenhausbehandlung.
Handlungsleitend bei allen Aktivitäten der APK ist die Realisierung des Paradigmenwechsels von institutions- zu personenbezogenen Hilfen.


Informationen zu den aktuellen Projekten sind im Internet unter www.psychiatrie.de/apk und www.apk-ev.de verfügbar oder können in der Geschäftsstelle angefordert werden.





Die Struktur der AKTION

Die APK, Vereinigung zur Reform der Versorgung psychisch Kranker e.V., ist ein gemeinnütziger Verein, der seine Mittel im Wesentlichen vom Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung sowie zum geringeren Teil aus Mitgliedsbeiträgen bezieht.

Die Mitgliedschaft können alle diejenigen erwerben, die die Ziele der APK im politischen und administrativen Raum fördern und unterstützen wollen.

Die AKTION PSYCHISCH KRANKE hat ihren Sitz in Bonn.

 
URL: http://www.psychiatrie.de/apk/wir/
 
 
 
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